#undetectable

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HIV-Positive mit einer nachhaltig unterdrückten Virenlast geben HIV sexuell nicht mehr weiter. Wenn sie ihre Medikamente regelmässig einnehmen und die Werte durch den Arzt kontrolliert werden, kann auf die Benutzung eines Kondoms verzichtet werden. Dies bedeutet aber keinen Schutz vor anderen Geschlechtskrankheiten (sogenannten STIs).

Noch immer gehen die meisten HIV-Übertragungen von Männern aus, die glauben sie seien negativ.

Für dich als HIV-Positiver bedeutet das: Wenn deine Virenlast mindestens sechs Monate unter der Nachweisgrenze liegt, du regelmässig deine Medikamente nimmst und dein Arzt deine Werte regelmässig kontrolliert, bist du nicht mehr ansteckend. Du kannst ohne Kondom Sex haben. Lass dich bei deinen Arztbesuchen auf andere Geschlechtskrankheiten testen. Du musst deinen HIV-Status nicht mehr offenlegen, wenn du das nicht möchtest.

Für dich als HIV-Negativer bedeutet das: Wenn die Virenlast eines Sexpartners unter der Nachweisgrenze liegt, kannst du auf ein Kondom verzichten. Du kriegst so kein HIV, andere Geschlechtskrankheiten unter Umständen aber schon. Nach wie vor gilt: Im Zweifelsfall immer mit Kondom

Wie funktioniert der Schutz durch die HIV-Medikamente?

Die HIV-Medikamente verhindern im Körper eines HIV-positiven Menschen die Vermehrung des Virus. Nach einiger Zeit ist bei einer gut wirksamen Therapie im Blut kein HIV mehr nachweisbar. Man spricht dann von einer „Viruslast unter der Nachweisgrenze“. Kurz darauf sind dann auch in Sperma, der Scheidenflüssigkeit, in anderen Körperflüssigkeiten und in den Schleimhäuten keine oder nur noch sehr wenige HI-Viren nachweisbar. Eine Übertragung von HIV auf Sex-Partnerinnen und –Partner ist dann extrem unwahrscheinlich.

Wie sicher ist der Schutz durch die Medikamente?

Studien haben gezeigt, dass eine gut wirksame HIV-Therapie genauso zuverlässig vor der Übertragung von HIV schützt wie Kondome. Und wie wir wissen, schützen Kondome ja sehr gut vor einer HIV-Übertragung. In diesem Fall ist also auch Sex ohne Kondom Safer Sex.

Wie groß ist das Restrisiko?

Das Restrisiko ist vernachlässigbar klein. Weltweit ist bisher nur ein Fall wissenschaftlich dokumentiert, in dem HIV trotz wirksamer Therapie übertragen wurde. Die absolute Sicherheit gibt es nicht. Auch beim Sex mit Kondom kann etwas schief laufen. Wir gehen in unserem Alltag ständig Risiken ein, etwa im Strassenverkehr oder im Sport. Über den Umgang mit Risiken muss jeder Mensch selber entscheiden.

Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, damit die Therapien schützen?

Die Viruslast muss seit mindestens einem halben Jahr unter der Nachweisgrenze liegen und der HIV-Positive muss die Medikamente regelmässig einnehmen. Ob die Bedingungen erfüllt sind, muss alle drei Monate durch Bluttests vom Arzt überprüft werden.

Kann die Viruslast wieder ansteigen – und damit wieder die die Möglichkeit der Übertragung entstehen?

Das kann vor allem passieren, wenn die Medikamente nicht regelmässig eingenommen werden. Die Wirksamkeit der Therapien kann nach einiger Zeit auch aus anderen Gründen nachlassen, deswegen sind regelmäßige Kontrollen der Viruslast wichtig, in der Regel alle drei Monate.

Wenn die Medikamente einmal vergessen werden, führt das aber noch nicht gleich zu einem Anstieg der Viruslast. Auch müssen die Medikamente nicht minutengenau eingenommen werden.

Steigern andere sexuell übertragbare Infektionen das Risiko?

Beim EKAF-Statement von 2008 ging man davon aus, dass HIV-Positive unter wirksamer Therapie nur dann das HIV nicht mehr weitergeben können, wenn bei ihnen keine andere sexuell übertragbare Infektion vorhanden ist. Inzwischen weiss man, dass eine Chlamydien-, Tripper- oder Syphilisinfektion bei einer gut wirksamen HIV-Therapie das HIV-Übertragungsrisiko nicht erhöht.

Kann die Viruslast nicht steigen, wenn der oder die HIV-Positive eine Syphilis oder eine andere sexuell übertragbare Infektion hat?

Das ist möglich. Der Anstieg ist aber unter einer Therapie minimal. Eine HIV-Übertragung bleibt praktisch unmöglich.

Ist der oder die HIV-Negative nicht besonders gefährdet, wenn er oder sie eine andere sexuell übertragbare Infektion hat?

Prinzipiell stimmt das. Die Infektionswahrscheinlichkeit steigt dann erheblich. Beim Sex mit einem Partner mit einer Viruslast unter der Nachweisgrenze ist die höhere Anfälligkeit ohne Bedeutung.

Relevant ist die höhere Anfälligkeit jedoch, wenn Sex mit einer Person stattfindet, deren Körperflüssigkeiten infektiös sind, also eine hohe Menge an HI-Viren enthalten, also einem HIV-positiven Menschen, der nicht unter Therapie ist oder erst recht bei jemandem, der meint, er sei HIV-negativ, aber in Wirklichkeit HIV-positiv ist.

Was ist, wenn der HIV-Positive manchmal zu spät einnimmt oder auch einmal vergisst?

Die Einnahme muss nicht minutengenau erfolgen, sondern verträgt durchaus gewisse Abweichungen vom Zeitplan. Wenn die Medikamente einzelne Male vergessen werden, steigt die Viruslast deswegen nicht an und es besteht weiterhin keine Übertragungsmöglichkeit. Vergisst man die Medikamente aber häufiger, kann die Viruslast wieder steigen – und damit das Übertragungsrisiko. Im Zweifel sprichst du mit dem behandelnden Arzt darüber, ob der Schutz durch die Therapie noch besteht oder ob dir eventuell ein Therapiewechsel helfen würde.

Kann ich mich wirklich sicher fühlen, wenn die Bedingungen erfüllt sind?

Ja. Doch die entscheidende Frage lautet: Weisst du wirklich, ob die Bedingungen erfüllt sind? HIV-Positive klären dies am besten mit ihren Arzt. HIV-Negative und Ungetestete müssen darüber mit ihrem Partner reden und sind darauf angewiesen zu vertrauen. Ob ein entsprechendes Vertrauensverhältnis besteht, muss jeder im Einzelfall für sich entscheiden. Bei flüchtigen sexuellen Begegnungen ist das sicher schwierig, bei engeren Bindungen ist es eher möglich. Wir empfehlen, bei Zweifel Kondome zu verwenden. Das Kondom sollte nur wegge-lassen werden, wenn sich alle Beteiligten mit dieser Entscheidung wohlfühlen.

Ist es nicht sicherer, zusätzlich zum Schutz durch die Therapie weiterhin Kondome zu verwenden?

Kondome wie auch eine gut wirksame HIV-Therapie schützen mit hoher Zuverlässigkeit vor einer HIV-Übertragung. Kombiniert man die beiden Methoden so summieren sie sich zu einem Superschutz. Wichtig ist, dass das Kondom nur weggelassen wird, wenn alle Beteiligten gut informiert sind, darauf vertrauen können, dass die Bedingungen für Schutz durch Therapie erfüllt sind, und sich mit der Entscheidung wohlfühlen.

Warum empfiehlt die Aids-Hilfe Schweiz nicht einfach weiterhin Kondomgebrauch – das wäre doch das sicherste!

Es ändert sich nichts daran, dass Kondome zuverlässig schützen. Eine wirksame Therapie schützt vergleichbar gut. Dass unter Therapie HIV nicht mehr übertragbar ist, eröffnet vielen die Möglichkeit zu einem freieren Sexualleben. Dank dieser Tatsache können z. B. Menschen mit HIV auf natürliche Weise Kinder zeugen.

Was bedeutet das für mich an einer Sexparty?

Genau da liegt die Crux. Weißt du, ob die Bedingungen für Schutz durch Therapie erfüllt sind? Es ist wichtig, dass alle Beteiligten gut informiert sind und sich entsprechend entscheiden. Wenn jemand sich mit der Entscheidung nicht wohlfühlt, dann empfehlen wir den Kondom-gebrauch.

Du hattest Sex ohne Kondom und jetzt fühlst du dich unsicher, ob da wirklich alle Bedingungen für sicheren Sex ohne Kondom erfüllt waren?

Geh am besten mit den Sexpartnern zusammen sofort zum nächsten Checkpoint oder in den Notfall eines Spitals. Als HIV-positiver Mensch bringst du am besten die letzten Befunde mit und besprichst das mit dem Arzt. Als HIV-negativer Mensch kannst du innerhalb von 48 Stunden nach dem Sex ohne Kondom die Notwendigkeit einer PEP (Post-Expositions-Prophylaxe) abklären lassen.

Was spricht noch dafür, weiterhin Kondome zu verwenden?

Kondome schützen sehr gut vor HIV-Übertragungen. Sie schützen aber auch vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen, aber weit weniger gut (z.B. Syphilis, Tripper und Chlamydien). Diese Infektionen können wiederum dazu führen, dass man sich leichter mit HIV infiziert.

Beim Sex eines HIV-negativen mit HIV-positiven Menschen, deren Viruslast unter der Nachweisgrenze liegt, besteht dieses Risiko natürlich nicht. Deren Körperflüssigkeiten sind ja nicht infektiös.

Relevant ist es vor allem beim Sex mit anderen Partnerinnen und Partnern, deren HIV-Status man nicht kennt. Bei nicht behandelten HIV-Positiven kann die Viruslast durch andere Infektionen erheblich steigen.